Dragon Dictate 2.0 für Mac – Ein Testbericht


Hier ein kleines Feedback zu neuen Version der Spracherkennung für Macs: Dragon Dictate 2.0 für Mac. Kann es die Macintosh-Spracherkennung mit der von Windows aufnehmen?

Dragon Dictate 2.0 ist der Nachfolger von MacSpeech Dictate 1.5, nachdem die Firma von Nuance übernommen wurde. Für Macintosh gibt es deutsche Spracherkennung noch nicht sehr lange, Nuance hat hingegen auf Windows-Systemen schon einige Erfahrung mit Dragon NaturallySpeaking.

Obwohl MacSpeech vom führenden und wesentlich erfahreneren Spracherkennungssoftwarehersteller Nuance übernommen wurde ist der Einfluss in dieser neuen Version noch nicht sehr zu spüren. Die Änderungen sind meines Erachtens positiv aber nicht wesentlich. Der neue Name verspricht also mehr als er hält.

Zu den wichtigsten Neuerungen zählt die Version 11 der Dragon-Spracherkennungs-Engine und ein Mausraster.

Die Version 11 der Spracherkennungs-Engine ist die neueste Version des Spracherkennungs-Kerns von Nuances Dragon NaturallySpeaking. Schon vor der Übernahme durch Nuance arbeiteten beide Firmen zusammen und integrierten den viel besseren Spracherkennungs-Kern von Dragon NaturallySpeaking in MacSpeech Dictate. Die neue Version ist jedenfalls spürbar besser und bringt die Spracherkennungsqualität auf ein höheres Level. Die Erkennung funktioniert bei mir tadellos und sehr sicher, was auch das Ausführen von Befehlen erleichtert. Bis auf Wörter die nicht im Wortschatz sind erkennt das Programm ausnahmslos gut, neue Wörter können aber sowohl während des Diktats, als auch generell durch Hinzufügen schon erstellter Dokumente ergänzt werden.

Die neue Möglichkeit die Maus zu steuern ist vielleicht die größte Neuerung, die Dragon Dictate 2.0 mit sich bringt. Schon weit vor der Übernahme wurde daran gearbeitet, nun ist es endlich soweit dass auch am Mac die Maus per Sprache gesteuert werden kann. Prinzipiell funktioniert das genauso wie beim Windows-Kompagnon Dragon NaturallySpeaking: Ein „Mausraster“ wird aufgerufen, das den Bildschirm in neun Felder teilt. Die Felder sind nummeriert, nach Aufrufen eines Feldes wird dieses wiederum in neun Felder geteilt. Das kann so lange fortgeführt werden, bis die Maus an gewünschter Stelle ist (Dragon Dictate blendet um genaues Platzieren zu ermöglichen sogar eine Lupe ein). Mit den entsprechenden Sprachbefehlen kann dann ein Klick, Doppelklick, Dreifachklick und Rechtsklick ausgeführt werden. Die Maus kann auch um 1-100 Punkte/Zentimeter/Zoll in eine Richtung bewegt werden, ziehen ist auch möglich.
Die Maussteuerung funktioniert großteils sehr gut und ergänzt somit die Steuerung des Macs per Sprache um nicht existierende Tastaturbefehle.

Ein Hinweis auf Unreife: Die laut der Liste der Neuerungen neue Korrektur-Lesen-Funktion hat bei mir deutschen Text englisch vorlesen versucht.

Insgesamt gesehen hat sich die Erkennungsqualität nochmals ordentlich verbessert und macht so die Spracherkennung brauchbarer. Allerdings gibt es bei Dragon Dictate 2.0 noch immer zwei wesentliche Nachteile gegenüber der Windows-Version Dragon NaturallySpeaking 11:

  1. Fehlende Stabilität beim Ausbessern von Erkennungsfehlern
  2. Dragon Dictate 2.0 verträgt es schlecht, wenn mit Maus und Tastatur während des Diktats Fehler ausgebessert werden, wobei die Korrektur mit Sprache oft nicht (mehr) möglich ist, da „Dictate nicht mehr synchron zum angezeigten Text arbeitet“ (dies ist bereits als bekanntes Problem gelistet). So kann es mitunter vorkommen, dass Text irgendwo eingefügt wird (oder gar Textteile überschrieben werden), anstatt dort wo der Cursor gesetzt wurde. Dragon Dictate hat wie auch schon die Vorgänger deswegen ein eigenes Diktat-Fenster, das stabiles Diktieren ermöglichen soll.

  3. Unlogische Sprachbefehle, die sich schwer merken lassen
  4. Wie ich schon bei MacSpeech Dictate kritisierte sind auch in dieser Version die Befehle unlogisch und nicht intuitiv zu verwenden (wenn man Dragon NaturallySpeaking kennt, weiß man wie einfach diese sein könnten). Beispiele: „wach auf“ weckt das Mikrofon aus dem Schlafmodus, ein „geh schlafen“ gibt es hingegen nicht. Fast alle Befehle sind im Infinitiv, der wichtigste Befehl jedoch („Lösche Passage“) ist dann plötzlich im Imperativ. Bei Dragon NaturallySpeaking lassen sich in Dialogfeldern alle Schaltflächen ansprechen indem man das sagt, was dort steht. Bei Dictate gibt es vordefinierte Befehle für O.K., Abbrechen, Nicht Sichern und Sichern. Alle anderen Schaltflächen lassen sich folglich nicht ansteuern.
    Für universelle Befehle wie „Drucken“, „Neues Dokument“ oder „Dokument sichern“ gibt es bei Macintosh so wunderbar universelle Tastenkombinationen (in diesem Fall Cmd-P, Cmd-N, Cmd-S), wieso können dafür auch nicht einfache Sprachbefehle vorhanden sein?

Sowohl Dragon Dictate 2.0 als auch Dragon NaturallySpeaking 11 können mit ausnahmslos guter Erkennungsqualität aufwarten und sind somit in jedem Fall schon eine große Hilfe beim Computerschreiben.

Dragon Dictate 2.0 gibt es um ca. 200 €, Dragon NaturallySpeaking 11 je nach Funktionsumfang ab ca. 90 € (Stand Dezember 2010). Amazon – wie immer mit besseren Angeboten – listet Preise bei 130 € für Dictate und (ab) 50 € für NaturallySpeaking.

Für ergänzende Fragen stehe ich jederzeit gerne per E-Mail zur Verfügung.

11 Kommentare zu „Dragon Dictate 2.0 für Mac – Ein Testbericht“

  • Mike Frechen:

    Frohes neues Jahr,
    und vielen Dank für Ihren informativen Testbericht.Da ich den Kauf der Sprachsteuerung für meinen imac erwäge,habe ich noch einige Fragen,die Sie mir vielleicht beantworten können.
    Wie ist es zum Beispiel mit „Irritationen“ durch Nebengeräusche wie Musik,TV o.ä.?Lässt sich die Eingangsempfindlichkeit des Mikrofons einstellen?
    Erkennt DD in Mail den Adressaten sowie die Befehle „senden/löschen/Papierkorb leeren“ usw?
    Wie verhält sich DD,wenn man in ichat eine Unterhaltung führt und gleichzeitig in anderen Programmen arbeiten möchte?
    Falls Sie die wireless Version besitzen:wie gross ist die Reichweite des Headsets?
    Muss man das Headset separat ein- und ausschalten oder geschieht das mit dem ein-/ausschalten bzw.hoch-/runterfahren des Computers?
    Für Ihre Antworten im Voraus vielen Dank,
    Mike Frechen

  • Hallo!
    Also mit „Irritationen“ ist es bei DragonDictate meiner Meinung nach sehr schlimm. Die Mikrofonempfindlichkeit lässt sich natürlich einstellen, dies wird auch beim anfänglichen Training automatisch ausgeführt, aber es kann mitunter sehr lästig werden, wenn ein Sessel-knarren oder Papier-rascheln unkontrolliert irgendwelche Programme startet (dies ist mir heute passiert). Meistens ist es so, dass DragonDictate bei Nebengeräuschen kurze Wörter einfügt (wenn ich jetzt beispielsweise dreimal klatsche, schreibt DD das: ab Ach das). Ich weiß von Dragon NaturallySpeaking, dass es besser geht. DNS übergeht viel eher Geräusche, und erkennt besser was Gesprochenes ist.
    Musik, TV oder Ähnliches geht also gar nicht nebenher.

    Ob DragonDictate in Mail den Adressaten erkennt, was meinst du damit? Es gibt im neuen DragonDictate generierte Befehle zur direkten Erstellung eines E-Mails an eine Adresse aus deinem Adressbuch. Der Befehl würde dann lauten: „Sende eine E-Mail an XXX“ oder „Erstelle eine Mitteilung für
    XXX“, wobei „XXX“ ein Name aus deinem Adressbuch ist. Ich konnte diese Befehle jedoch nicht aktivieren, weil ich mehr als 199 Adressbucheinträge mit E-Mail-Adressen habe.
    Es gibt reichlich Befehle für „Senden/Löschen/Papierkorb leeren“ usw., wenn du willst schicke ich dir das Benutzerhandbuch an deine hinterlegte E-Mail-Adresse, dort kannst du nachsehen welche Befehle alle möglich sind (und welche nicht).
    Mit DragonDictate einen Chat zu führen ist sicherlich kein Problem. Text wird dorthin diktiert, wo der Cursor ist. Allerdings vergisst DragonDictate eventuell im anderen Programm was dort diktiert wurde und das ausbessern per Sprache ist dann nicht mehr möglich. Bzw. fügt DragonDictate den Text überhaupt unkontrolliert ein (wie im Artikel beschrieben).
    Mit einem Bluetooth-Headset habe ich leider keinerlei Erfahrung.
    Ich hoffe ich konnte helfen 🙂
    LG,
    Simon

  • MS:

    Macspeech nötigt dich wirklich, deine Toleranzgrenze nach oben zu schrauben! Ich habe im Dezember das neue Update geladen und bin mit dem Programm nur mäßig zufrieden. Die Fehlerquote ist minimal, die Erkennung präzise und sehr schnell aber die Kommandos sind eine Katastrophe!
    Entweder sie werden nicht erkannt, falsch interpretiert oder meistens geschrieben anstatt ausgeführt.
    Über die teils sehr unlogische Diktion wurde schon berichtet (schwierige Umstellung nach vielen Jahren Dragon).
    Ich überlege mir, die letzte Version wieder zu aktivieren. Ein wenig erfreuliches Kapitel ist die Hilfe. Hier paaren sich relativ schlechte Deutschkenntnisse mit relativ wenig Programm-Kenntnissen.
    Schade, ich war immer recht begeistert, muss jetzt einen Dämpfer hinnehmen.
    LG
    M S

  • Danke für den ausführlichen Testbericht. Was sind denn die Erfahrungen mit DragonDictate 2.0 für Mac bei den Systemvoraussetzungen? Es werden 2GB RAM empfohlen laut Angaben bei Amazon. Das scheint mir im Vergleich zum Windows-Programm doch recht moderat zu sein.

    Ich denke derzeit über die Anschaffung dieser Mac-Software nach.

    • Tut mir leid für die späte Antwort.
      Zu deiner Frage bezüglich Systemanforderungen für Dragon Dictate 2.0: Ich glaube nicht, dass du dir darum viele Gedanken machen musst, Nuance schreibt selbst auch als Systemanforderung nur, dass es ein Intel-basierter Mac sein soll mit Betriebssystem ab Mac OS X 10.6. Die Rechenleistung ist dann sicherlich ausreichend; bei meinem MacBook Pro von Ende 2008 läuft die Software auch einwandfrei (ohne spürbare Langsamkeit… usw.)
      Liebe Grüße!

  • robert:

    N’abend,
    mal ne gaanz dumme Frage: ich habe auf dem Mac windows 7 über parallels desktop installiert, brauche eben diverse Windows-Programme.
    Kann ich da nicht einfach dragon für windows benutzen, hat das mal einer probiert.
    vielen Dank für Eure Nachricht,
    robert

  • Volker Haas:

    Hallo,

    ich habe eine lange Korrespondenz mit Nuance geführt und auf die von mir ebenfalls festgestellten Probleme verwiesen. Nuance hat sich zur Rücknahme der Software entschlossen, dann sich aber darauf zurückgezogen, dass nur der Händler die Ware zurücknehmen kann.

    Hier wird einerseits die Mangelhaftigkeit des Produkt eingeräumt, andererseits die Verantwortung für die Rückabwicklung auf den Kunden bzw. den Händler verlagert.

    Haben Sie von vergleichbaren Fällen gehört oder gibt es weitere Leidensgenossen ??

    Grüsse Volker

    • Finde ich sehr interessant, dass die Mangelhaftigkeit eingestanden wird!
      Ich selbst verwende das Programm eigentlich selten, habe es eher für Test- und Vergleichszwecke im Einsatz. Andere Fälle von Rückgabeschwierigkeiten kenne ich allerdings nicht. Ich hoffe das klappt bei dir noch zufriedenstellend! Alles Gute!
      LG Simon

  • Max:

    Hallo und ebenfalls Danke für den Test. Da mich selber die Sprachsteuerung meiner Anwendungen am Mac nicht so sonderlich interessiert habe ich mir jetzt einfach mal deine Sätze mit der guten Funktionalität in Bezug auf Diktieren gemerkt.
    Denn genau dafür brauche ich das Programm.
    Danke also für deine Hilfe bei der Kaufentscheidung.
    Gruß, Max

  • Lit Serv:

    Ich bin Umsteiger von PC auf Mac (Herbst 2011).
    Ich hate exzellente Erfahrungen mit DNS Dragon Naturally Speaking ab Version 9.0; zuletzt hatte ich die Version DNS 11.0.
    Wegen der guten Erfahrungen mit DSN 11.0 unter PC hatte ich mir Dragon Dictate 2.5 für Mac gekauft. Ein Alptraum (nightmare); weniger in der eigentlichen Erkennungs-Engine, sondern im Frontend (Mausbenutzung absolut verboten; erschwerend: unsichere Befehlserkennung, damit de facto keine Korrekturmöglichkeit). Der Support von hat keine Lösung. Die Rücknahme der SW wurde verweigert, da nicht direkt bei Nuance gekauft. Und der Händler wiederum lehnt jede Rücknahme von SW ab (AGBs).
    Im Sept. 2012 kam die Version 3.0 von Dragon Dictate auf den Markt. An dem Desaster hat sich nichts geändert.
    DD 3.0 bringt noch nicht einmal ein Profil mit für das Diktieren in Outlook für Mac…
    Es bleibt leider auch nach einem Jahr dabei: Dragon Dictate für Mac ist ein Alptraum (nightmare).
    Wer sich für die technischen Hintergründe interessiert, warum das so ist, der schaue bei Nuance selbst nach. Dort ist ein guter Beitrag zu finden. Der Verfasser hat den Begriff „nightmare“ geprägt.